Wachtelhaltung

Wachtelrassen im Vergleich — welche passt zu Ihrem Vorhaben

Japanische, Marmorierte, Englische Weisse und Schwarze, Smoking, Mandschurische, Estnische und Pharao — Gewicht, Eizahl, Legebeginn und der Unterschied, der im Alltag zählt.

Es gibt weltweit rund vierzig Rassen, Farbschläge und Linien der Hauswachtel. Für die Wahl zählen am Ende drei Fragen: Wollen Sie Eier, Fleisch oder beides, lassen sich die Tiere früh nach Geschlecht sortieren, und wie sieht der geschlachtete Körper aus. Wer nur Eier will, fährt mit den leichten Rassen am besten; wer die überzähligen Hähne verwerten möchte, braucht Gewicht — und zahlt es mit Futter.

Die leichten Legerassen

Japanische (graue). Die Rasse für die Eierproduktion. Wildfarbenes, graubraunes Gefieder, gezüchtet allein auf Legeleistung: rund 300 Eier im Jahr bei einem Eigewicht von 9 bis 10 Gramm. Sie beginnen bereits mit fünf Wochen zu legen — früher als alle anderen. Das Gewicht ist dabei fast auf dem Stand der wilden Vorfahren geblieben: Hennen 150 bis 160 Gramm, Hähne 130 bis 140.

Marmorierte. Leistung und Gewicht wie die Japanischen, nur heller: ein rauchiges Hellgrau mit schwach gezeichneten Federn. Der Farbschlag entstand durch eine Mutation und vererbt sich rezessiv gegenüber der Wildfarbe — kreuzt man marmorierte Tiere mit wildfarbenen, sind die Küken wildfarben.

Ihr Vorteil liegt nach dem Schlachten: keine dunklen Federstoppeln, der Körper sieht sauberer aus. Ihr Nachteil liegt davor — das Geschlecht lässt sich vor der Geschlechtsreife nicht erkennen.

Beiden gemeinsam ist die Kehrseite des leichten Baus: Der Schlachtkörper wiegt nur 90 bis 100 Gramm. Wer Hennen nach der Legeperiode oder überzählige Hähne verwerten will, hat davon wenig.

Die Zweinutzungsrassen

Englische Weisse. Hennen 160 bis 180 Gramm, Hähne 140 bis 150, etwa 280 Eier im Jahr zu 10 bis 11 Gramm, Legebeginn mit etwa sechs Wochen. Weisses Gefieder ohne Zeichnung, einzelne schwarze Federn kommen vor. Sauberer Schlachtkörper von durchschnittlich 100 Gramm.

Englische Schwarze. Gewicht und Legebeginn wie bei den Weissen, das Gefieder schwarz ohne erkennbare Zeichnung. Zwei Nachteile: Das Geschlecht ist früh nicht bestimmbar, und nach dem Rupfen bleiben dunkle Stoppeln.

Smoking. Aus der Kreuzung von Englischen Weissen und Schwarzen entstanden — schwarzer Rücken, weisse Brust. Die Zeichnung bleibt bei der Weiterzucht erhalten, und die Rasse ist eigenständig anerkannt. Leistung wie bei den Ausgangsrassen.

Mandschurische Goldene. Braune und gelbe Federn mit Zeichnung, Geschlechtsreife mit etwa sechs Wochen oder etwas später, im Jahr 260 bis 270 Eier zu 10 bis 11 Gramm.

Estnische. Die einzige in der Sowjetunion offiziell anerkannte Rasse, entstanden aus der Japanischen mit Einkreuzung Englischer Weisser. Ziel war ein schwereres Tier bei hoher Legeleistung, und das ist gelungen: Hennen 200 bis 220 Gramm, Hähne 180 bis 200, dabei 280 bis 300 Eier im Jahr zu 10 bis 11 Gramm.

Der Preis steht ebenfalls in den Zahlen: Estnische fressen mehr. Etwa 30 bis 32 Gramm am Tag gegenüber 26 bis 28 Gramm bei den übrigen Rassen — auf ein Jahr und hundert Tiere gerechnet ist das ein spürbarer Posten.

Die Fleischrasse

Pharao. Die bekannteste Fleischrasse, in Kalifornien gezüchtet, wildfarben. Hennen erreichen 300 Gramm, Hähne 250. Sie legen rund 240 Eier im Jahr, dafür mit 12 bis 13 Gramm die schwersten. Legebeginn erst mit etwa sieben Wochen, Futterverbrauch 32 bis 35 Gramm am Tag.

Der eigentliche Zweck zeigt sich beim Mästen: Hähne lassen sich bis zur vierten Woche auf einen Schlachtkörper von über 120 Gramm bringen. Unter dem Namen Pharao laufen heute auch Fleischlinien aus Frankreich, Finnland und anderen Ländern; ihre Leistungszahlen liegen nahe beieinander.

Die Zahlen nebeneinander

RasseHenneHahnEier/JahrEigewichtLegebeginn
Japanische150–160 g130–140 g~3009–10 g5 Wochen
Marmorierte150–160 g130–140 g~3009–10 g5 Wochen
Englische Weisse160–180 g140–150 g~28010–11 g6 Wochen
Englische Schwarze160–180 g140–150 gwie Weisse10–11 g6 Wochen
Mandschurische260–27010–11 gab 6 Wochen
Estnische200–220 g180–200 g280–30010–11 g6 Wochen
Pharao~300 g~250 g~24012–13 g~7 Wochen

Zwei Lücken in der Tabelle sind Absicht. Für die Englischen Schwarzen nennt die Fachliteratur keine eigene Eizahl, sondern stuft sie als den Weissen gleichwertig ein; für die Mandschurischen fehlt eine Gewichtsangabe. Eine Zahl, die wir nicht belegen können, steht hier lieber gar nicht.

Was die Wahl wirklich entscheidet

Die Eizahlen unterscheiden sich zwischen 240 und 300 — das klingt nach viel und ist im Hausbestand die kleinste der drei Fragen. Wichtiger sind die beiden anderen.

Können Sie früh sortieren? Wildfarbene Tiere — Japanische, Mandschurische, Pharao — lassen sich an der Brust unterscheiden, sobald das Jugendgefieder steht. Weisse, schwarze und marmorierte Tiere nicht; dort zeigt sich das Geschlecht erst mit der Geschlechtsreife. Wer keine Hähne durchfüttern will, wählt danach.

Was passiert mit den überzähligen Tieren? Bei den leichten Rassen bleiben 90 bis 100 Gramm Schlachtkörper — dafür lohnt kaum das Rupfen. Wer die Hähne und die ausgelegten Hennen verwerten möchte, ist mit Estnischen oder mit einer Fleischlinie besser bedient und akzeptiert dafür den höheren Futterverbrauch.

Eine Rasse ist kein Kauf, sondern Pflege

Wachteln haben eine kurze Brutzeit und werden früh geschlechtsreif — in einem Jahr sind bis zu fünf Generationen möglich. Das ist ein Vorteil und eine Gefahr: Ohne Auswahl bei der Nachzucht verliert ein Bestand seine Eigenschaften ebenso schnell. Zuerst geht die Lebendmasse zurück, dann die Legeleistung, dann das Eigewicht.

Zwei Handgriffe halten dagegen. Für die Nachzucht bleiben nur Tiere mit dem Gewicht, das für die Rasse typisch ist — und wenn Sie einzeln erfassen, die Hennen mit der besten Leistung. Und regelmässig kommen Tiere aus einem anderen Bestand dazu: Auch bei bester Auswahl führt Zucht im geschlossenen Kreis über die Jahre zu Inzucht, und die kostet mehr, als der Zukauf gekostet hätte.

Zahlen und Richtwerte in diesem Beitrag folgen der Fachliteratur zur Wachtelhaltung — Stele, Osmanjan, Afanasjew, «Eierproduktion in der Geflügelhaltung», Kapitel zur Technologie der Wachteleierzeugung.