Wachteleier und Tiere verkaufen — was vorher zu klären ist
Wege des Verkaufs, die Fragen an Veterinäramt und Ordnungsamt, eine ehrliche Kalkulation mit den eigenen Zahlen, Verpackung, Aufzeichnungen und Stammkunden.
Wachteleier und Wachteln aus der eigenen Haltung zu verkaufen ist grundsätzlich möglich, und viele kleine Halter tun es. Vorher zu klären ist allerdings, was in Ihrem Fall dazugehört — Kennzeichnung, Registrierung des Bestandes, Hygieneanforderungen und die steuerliche Seite regeln Land und Kreis unterschiedlich, und was für den Nachbarkreis stimmt, muss bei Ihnen nicht gelten. Die Auskunft holen Sie beim Veterinäramt und der Lebensmittelüberwachung Ihres Kreises, beim Ordnungsamt der Gemeinde und, sobald Geld regelmässig fliesst, bei einem Steuerberater.
Wen Sie fragen und was Sie fragen
Rufen Sie an, bevor das erste Ei über den Tisch geht; ein Anruf kostet nichts ausser etwas Zeit. Schreiben Sie sich vorher auf, was Sie vorhaben — Zahl der Tiere, geplante Menge, an wen Sie abgeben wollen —, denn danach wird zuerst gefragt.
| Stelle | Wonach Sie fragen |
|---|---|
| Veterinäramt | Muss der Bestand angemeldet oder registriert werden, ab welcher Zahl, und was gilt für die Abgabe lebender Tiere |
| Lebensmittelüberwachung | Was für die Abgabe von Eiern an Verbraucher gilt, was sich bei Abgabe an Handel oder Gastronomie ändert, welche Kennzeichnung verlangt wird |
| Ordnungsamt der Gemeinde | Was für einen Verkauf ab Hof, an der Strasse oder auf einem Markt zu beachten ist |
| Steuerberater | Ab wann Einnahmen zu erklären sind und was Sie dafür aufzeichnen müssen |
Notieren Sie zu jeder Auskunft Datum, Stelle und Namen. Das ist keine Förmlichkeit: Wenn ein Jahr später jemand anderes am Telefon eine andere Auskunft gibt, wissen Sie, worauf Sie sich gestützt haben.
Die Wege und was jeder mitbringt
Ab Hof. Der kürzeste Weg: Die Kundschaft kommt zu Ihnen, es gibt keinen Transport und keine Standgebühr. Zu klären ist, ob und wie der Verkauf an der eigenen Adresse angezeigt wird, was für einen Automaten oder eine Selbstbedienungsstelle gilt, und was für ein Schild an der Strasse zu beachten ist. Praktisch stellt sich ausserdem die Frage, wo Sie die Eier kühl und sauber zwischenlagern und wer öffnet, wenn Sie nicht da sind.
Bekanntenkreis und Kollegen. Der übliche Einstieg, und der mit den wenigsten Hürden. Trotzdem gehen auch hier Lebensmittel aus Ihrer Hand in eine fremde. Fragen Sie nach, ab wann das aus Sicht der Behörde ein Verkauf ist und was sich dadurch ändert. Wer hier sauber anfängt, muss später nichts umstellen.
Wochenmarkt. Deutlich mehr Anforderungen: Standplatz und Gebühren bei der Marktverwaltung, Anforderungen an den Stand selbst, an Kühlung und Handhygiene, dazu die Frage der Kennzeichnung am Stand. Rechnen Sie den halben Tag Standzeit, An- und Abfahrt und Aufbau in Ihre Kalkulation ein — der Markt ist der Weg, der am meisten Arbeitszeit frisst.
Gastronomie und Hofläden. Hier verkaufen Sie nicht mehr an Verbraucher, sondern an einen Betrieb, der weiterverarbeitet. Erfahrungsgemäss ist das die Stufe mit den meisten Anforderungen, und genau danach fragen Sie die Lebensmittelüberwachung, bevor Sie einem Koch etwas zusagen. Dafür sind die Mengen planbar und die Abnahme regelmässig, was für die Kalkulation viel wert ist.
Lebende Tiere. Bei der Abgabe von Bruteiern, Küken und Legewachteln können weitere Anforderungen dazukommen, häufig aus dem Tierseuchenrecht. Fragen Sie das Veterinäramt, was beim Abgeben zu dokumentieren ist, was der Käufer mitbekommen muss und was für den Transport gilt.
Was ein Ei Sie kostet
Der häufigste Fehler kleiner Halter ist, den Preis am Futtersack zu bemessen. Futter ist der sichtbarste Posten, aber selten die Hälfte der Kosten. Rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen — erfundene Durchschnittswerte aus dem Netz helfen niemandem, und die Preise unterscheiden sich regional ohnehin stark.
| Posten | Woher die Zahl kommt |
|---|---|
| Futter | Sackpreis geteilt durch Inhalt, mal Verbrauch je Tier und Tag |
| Einstreu, Grit, Kalk | Belege eines Quartals, geteilt durch drei |
| Strom | Licht, Wärmeplatte, Brüter, Kühlung — notfalls ein Zwischenzähler |
| Wasser | meist klein, aber nicht null |
| Tierzukauf oder Brut | Kosten je Tier, verteilt auf die Legemonate |
| Verluste | Tiere, die nicht bis zum Ende der Legezeit kommen |
| Verpackung | Schachteln, Etiketten, Beutel |
| Ersatz und Reparatur | Tränken, Netze, Lampen über das Jahr |
| Arbeitszeit | Minuten je Tag, ehrlich gemessen, nicht geschätzt |
Der Rechenweg ist einfacher, als die Tabelle aussehen lässt. Nehmen Sie einen Zeitraum, in dem sich nichts Grosses geändert hat — ein Quartal genügt — und setzen Sie Ihre eigenen Beträge ein:
- A — alle Ausgaben des Quartals aus der Tabelle, addiert
- B — die Arbeitszeit des Quartals in Stunden, bewertet mit einem Satz, den
Sie selbst für Ihre Zeit angemessen finden
- C — die Eier, die Sie in diesem Quartal tatsächlich verkauft haben
- Selbstkosten je Ei = (A + B) geteilt durch C
Entscheidend ist C: nicht die gelegten, sondern die verkauften Eier. Bruch, Eigenbedarf und Verschenktes gehören auf die Kostenseite, nicht auf die Verkaufsseite. Wer in Schachteln zu zehn oder zwanzig Stück abgibt, multipliziert das Ergebnis entsprechend und hat damit die Untergrenze für eine Schachtel.
Zwei Dinge fallen dabei fast immer auf. Der Anteil der Arbeitszeit ist höher als erwartet, sobald man sie überhaupt einsetzt; wer sie mit null ansetzt, subventioniert seine Kunden. Und der Wert schwankt stark mit der Legeleistung — im Winter kann er sich vervielfachen, weil die Kosten bleiben und die Eier ausbleiben. Rechnen Sie deshalb über ein ganzes Jahr, nicht über den besten Monat.
Was Sie am Ende verlangen, ergibt sich aus diesen Selbstkosten und dem, was in Ihrer Gegend üblich ist. Fragen Sie dazu nicht das Internet, sondern schauen Sie sich an, was andere kleine Halter und Hofläden im Umkreis tun. Und verkaufen Sie nicht unter Ihren Selbstkosten, um schneller loszuwerden — das drückt den Preis für alle und macht aus einem Hobby ein Zuschussgeschäft.
Verpackung und Transport
Die Schale ist dünner, als sie aussieht. Was sich bewährt:
- Feste Schachteln mit Vertiefungen statt loser Beutel. Eier, die aneinander
liegen, kommen selten heil an.
- Kühl und trocken lagern, ohne Temperatursprünge. Ein Ei, das aus dem Kalten
in die Wärme kommt, beschlägt, und feuchte Schalen sind ein Problem.
- Nicht waschen. Die Schale hat eine natürliche Schutzschicht, und Waschen
nimmt sie weg. Stark verschmutzte Eier sortieren Sie besser aus, als sie zu putzen. Wenn Eier regelmässig schmutzig sind, liegt das an der Einstreu und den Legenestern, nicht an der Reinigung.
- Im Auto flach und beschattet, nicht auf dem Rücksitz in der Sonne. Bei Hitze
eine Kühlbox ohne direkten Kontakt zum Kühlakku.
Was auf die Packung gehört und was nicht, ist wieder eine Frage für die Lebensmittelüberwachung — Angaben zu Haltbarkeit, Herkunft und Kennzeichnung gehören zu den Punkten, bei denen sich Halter am häufigsten irren.
Aufzeichnungen
Führen Sie ein einfaches Verzeichnis, unabhängig davon, ob es jemand verlangt. Es kostet ein paar Minuten am Tag und beantwortet später die Fragen der Behörde, die des Steuerberaters und Ihre eigene, ob sich das Ganze rechnet.
Kunden, die wiederkommen
Der Preis entscheidet seltener über Stammkunden als die Verlässlichkeit. Wer zusagt, jede Woche dieselbe Menge zu liefern, und das auch im Dezember hält, behält die Kundschaft. Wer im Sommer grosszügig ist und im Winter absagt, verliert sie an den nächsten Anbieter.
Daraus folgt zweierlei: Sagen Sie nie mehr zu, als Ihr schlechtester Monat hergibt, und sagen Sie früh Bescheid, wenn es eng wird. Ein Hinweis eine Woche vorher wird verziehen, eine leere Kiste am Abholtag nicht. Gleichmässige Grösse, saubere Schalen und immer dieselbe Verpackung tun den Rest — was verlässlich aussieht, wird auch als verlässlich erinnert.
Wenn Sie Bestand, Legetage und Abgaben ohnehin mitschreiben, führen Sie das gleich dort, wo Sie auch Ihre Tiere verwalten, statt in einem zweiten Heft.